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Topic: 15. Kongress Innsbruck

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Sunday, December 07, 2008 - 03:29 PM

15. Kongress Innsbruck Resumee
Tom Zabel 11.07

Die verschiedenen Aktionen haben sehr wohl die Vielfalt und Intensität dieser Kunstform unter Beweis gestellt. Auch war die Ausweitung auf den öffentlichen Raum eine Notwendigkeit, um die Nähe zum Alltag zu zeigen. Die Künstlerin- nen deckten eine grofle Bandbreite von unterschiedlichen Ausdrucksformen ab. So war von der sozialen Intervention eines Rollls Rolf Langhans, über die radikal-humorvollen Straflen-Performances von Onic' Art, dem lebensbejahenden, animativen Vodoo Zauber bei Theodor di Ricco und einer Erkundung der eigenen körperlich-psychisch-kulturellen Identität im global village durch Risa Takita, bis zum real vorgeführten Orgasmus (ohne sich zu berühren ...) von Beatri- ce Burrus formal und inhaltlich der gesamte Kosmos unseres Daseins spürbar. Letzteresagte zur Einleitung: "dies ist kein Spiel, sondern Realität" und sie hat mit ihrer 8 minütigen Performance gezeigt, wie frau mit einfachsten Mitteln ein beeindruckendes Zeugnis der menschlichen Existenz abzugeben vermag mit all der geheimnisvollen Abgründigkeit und allumfassenden Wahrheit der Lust. Das ist Performance Kunst at its best! Von ähnlicher Eindrücklichkeit war auch ihre Arbeit im Freien, welche auch nicht viel länger gedauert hat und einen ebenso minimalen Aufwand benötigte. Ein gefundener Karton, der so grofl war, dass sie knieend darin Platz gefunden hat, war das einzige Requisit. Sie hatte ihn extra von München mitgenommen. Auf den Längsseiten war jeweils ein Feld mit weifler Dispersionsfarbe bemalt. Auf der einen Seite stand Nichts und auf der anderen verboten. Auf der einen Stirnseite war ein kleines Loch ausgeschnitten. Sie krabbelte mit dem Karton im Sand vor einer Baustelle direkt neben der Strasse, auf welcher gelegentlich Autos und die Strassenbahn vorbeifuhren. Immer wieder rief sie Mama. Nach einer Weile zündete sie sich innen eine Zigarette an und blies den Rauch aus der Öffnung. Dann kroch sie aus dem Karton und zündete ihn an, indem sie eine Packung Streichhölzer ausleerte und sie entfachte. Sie begann nun um den brennenden Karton herum zu tanzen. Liebevoll und zärtlich kommentierte sie mit Gesten das "Sterben" des Kartons. Sie rekelte sich im Staub und kletterte schliefllich auf ein Absperrgitter.

Die Endourance Performance von Peter Grzybowski spielte mit einem strengen Konzept und gekonntem Einsatz von Video-Projektion. ästhetisch wurde hier die Informationsflut der Presse kritisch befragt. Jean Christoph Petit zeigte in einer Solo-Darbietung männliche Selbstentblössung in vielerlei Bedeutung. Es ging um Sex, Gefühle, körperliche Grenzerfahrungen und archaische Momente. Ein Paradebeispiel für die zahlreichen Ausdrucksmöglichkeiten eines
Performers.

Rolls Rolf Langhans zeigt in amüsanten Miniaturen, wie er sich Nichts vorstellt und Frederike & Uwe gingen das Thema mit ebenso viel Humor an, indem sie in ständiger Wiederholung die selbe Handlung vollführten, welche mit jeweils anderen Assoziationen zum Thema Nichts durchgeführt wurde und an deren Ende jeder Besucher eine Plastikhülle mit entsprechendem Aufdruck geschenkt bekam. Onic'Art schufen ein zum Teil für mich beklemmendes Endzeit-Szenario mit garantierter Katharsis. Amy Klement betrieb eine Verwirrspiel mit einer einfachen Rechenaufgabe, in der es galt, rastlos getrieben, hunderte Zahlen auf eine weifle Papierbahn zu schreiben. Am Ende sah das Relikt aus, wie ägyptische Hyroglyphen. Die 2 Österreicher, die ausser mir (ich bin hier lebender Deutscher ...) mitwirkten, bekamen einen Sonderstatus, welcher auch für Widerspruch gesorgt hat. Da diese Veranstaltung eher dem Konzept von Theodor di Ricco entspricht, gab es keine Auswahl, sondern, wer sich von den vielen Künstlern aus seinem Archiv angemeldet hat, durfte mittun. Ich hätte gerne jemand aus Österreich dabei gehabt und musste mir einen Kompromiss einfallen lassen, nachdem absehbar war, dass leibhaftig niemand kommen wird. Charles Kaltenbacher, der wie Roland Maurmeier schon bei der von mir geplanten und durchgeführten "Performance-Woche" 1996 mitgewirkt hatte, bot mir an, wenigstens mit einem Video präsent zu sein. Das Museum für moderne Kunst Salzburg schickte mir ein Exemplar. Es zeigt eine Aktion, die er im WUK 1997 aufgeführt hat, bei der ich (zufällig) anwesend war. Ein fantastisches Spiel mit 2 Spiegeln und ihm als Akteur, welcher mit einem Stab einen Rock'n Roll Kunst-Tanz vollführt. Es entsteht der Eindruck, eines sich ständig verändernden Organismus aus den absolut symmetrischen Bewegungen von 4 Akteuren. Roland M. machte in der selben Woche in Wien eine Art Performance, die Grundlage eines Videos wurde. Es wurde noch schnell fertiggestellt und mittels einer Botin per Zug einige Stunden vor der Präsentation am Innsbrucker Bahnhof übergeben. In dem Film sieht man R.M. mit einer Hasenmaske eine Riesen-Karotte von der Stadtgrenze (dem Feld) in einen Innenbezirk (der Bau) und dort in einen Hauseingang ziehen. Ich selbst habe den Schluss der abendlichen Reihe bestritten, so wie Theodor den Anfang machte. Ich war nackt und hielt eine transparente Glasscheibe. Vor mir lag am Boden ein grofler Stein. Der Titel "wer ohne Sünde ist...".
Amy Klement war auch noch in der Stadt anzutreffen, wo sie mit einem speziellen durchsichtigen Kleid unterwegs war, gefolgt von 3 Herren (Onic' Art) in Anzügen, welche aus mehreren Dutzend Taschen bedruckte Zettel herausholten, die sie verbrannten. Auch ich ging im Anzug gemütlich von der pmk zum Franziskaner-Platz spazieren. An einem dicken Seil zog ich einen Teddybären hinter mir her ...
Und es war wirklich eine internationale Geschichte, so hat z.B. Theodor d.R. seine Performance zuvor in Barcelona, Finnland, Krakau und Marseille gezeigt und Risa T. ihre anschlieflend in Berlin, Amsterdam und London.

Tom Zabel 11.07

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